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Die Daten, die ich rief

Short thesis

Informationelle Selbstbestimmung setzt voraus, das ich weiß, wer was über mich gespeichert hat. Doch wie realistisch ist das? Ich habe bei Unternehmen und Behörden systematisch nachgefragt: "Welche Daten speichert Ihr über mich?" Was für Einblicke ich darauf hin bekam und welche Schlüsse sich aus meinem so erlangten Daten-Profil ableiten ließen, hat mich am Ende selbst überrascht.

Description

Schon einmal ungewollt nackt abgefilmt worden? Nein? Glück gehabt. Nach einem Sauna-Besuch im Berliner Vabali Spa im Jahr 2017 stellte ich mit Schrecken fest, dass im Umkleidebereich nicht nur eine, sondern gleich drei Überwachungskameras hingen. Diese Entdeckung hat mich zum Grübeln gebracht: "Gibt es da noch mehr, was ich wissen sollte?" Also begann ich nachzufragen. 

Ein Jahr und unzählige Anfragen später kann ich sagen: Sein Recht auf informationelle Selbstbestimmung durchzusetzen ist ein mühsames Unterfangen. Trotzdem lohnt es sich, das Abenteuer zu wagen. Ganze Lebensabschnitte in Form von Excel-Tabellen präsentiert zu bekommen ist tatsächlich aufschlussreicher, als erwartet. Wer einmal in seinen eigenen Datenabgrund sieht, stellt sich unweigerlich neue Fragen: Hat sich der Preisvergleich bei Amazon wirklich so sehr gelohnt, dass es eine Protokollierung meiner Interessen aufwiegt? Rechtfertigt ein Rabatt von 5 Cent, dass ich meinem Supermarkt Informationen über meinen Hormonhaushalt preisgebe? Was für einen Sinn hat es, sein Party-Verhalten per Fitness-Tracker mit Dritten zu teilen?

Dieser Vortrag erklärt, was es bringt die eigene Datenspur im Blick zu behalten und wie jede/r eine eigene Dateninventur anstoßen kann.